Saturday Night Fever – Eine Zeitreise in die Hölle der 1970er
Glitzernde Unterhaltung mit Discosound und einen Eintrag von meiner Filmklassiker-die-ich-nie-gesehen-habe-Liste streichen – so hatte ich mir mein Abendprogramm vorgestellt, als meine Wahl auf Saturday Night Fever aus der arte-Mediathek fiel.
Womit ich nicht gerechnet hatte: Ich erlebte diesen Film als Museum der Frauenverachtung. Hier gibt es “nette Mädchen” und es gibt “Steckdosen”. Frau muss sich entscheiden, denn wenn die Grenze einmal überschritten ist, führt kein Weg zurück. Kerls dagegen messen sich ungeniert an daran, wie viele Frauen sie “rumkriegen”, die Menge zählt, sonst nichts. Das Reden mit und über Frauen ist überwiegend abwertend und wo immer sich eine Gelegenheit zu homophoben Äußerungen bietet, wird diese genutzt. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, ist eine Gruppenvergewaltigung in die Filmhandlung eingeflochten, nach der Täter und Zeugen locker flockig zum Tagesgeschäft übergehen.
Diese selbstverständliche Misogynie bildet in Saturday Night Fever ein (aus heutiger Sicht) beklemmend-widerwärtiges Hintergrundrauschen. Ich kann mich nicht erinnern, dass dies in den 1970ern großen Anstoß erregte. Täusche ich mich? Was bei mir ankam, war harmlos und vage positiv: Der attraktive Disco-Held Tony Manero (John Travolta) tanzt viel und hingebungsvoll in weißen Anzügen und die Bee Gees singen dazu schöne Lieder. Das war ansteckend, Disco wurde der neue Trend und brachte Glamour und Leichtigkeit mit sich.
Den weltweiten Einspielergebnissen zufolge müssen unzählige Menschen diesen Film gesehen haben, allein in Deutschland waren es im Jahr 1978 über drei Millionen. Ich bin jetzt froh, dass ich damals nicht dazu gehört habe und sehr neugierig, wie andere Personen diesen Kultfilm erlebt haben – früher oder heute. Teilt eure Erinnerungen, Eindrücke, Gedanken dazu gern hier in den Kommentaren!
Wer den Film frisch auf sich wirken lassen möchte, findet Saturday Night Fever bis zum 17. August 2026 in der arte-Mediathek.

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