• Bereit zum Abtauchen? Pearl, Königin der Meere

    Bereit zum Abtauchen? Pearl, Königin der Meere

    Karibikflair, Abenteuer und Liebe

    Wer eine Auszeit vom Alltag sucht, kann in Elisabeth Herrmanns Roman „Pearl, Königin der Meere“ in eine exotische Welt voller Abenteuer abtauchen. Dort, in der Karibik, im 18. Jahrhundert, kämpft Pearl, die Tochter der legendären Piratin Anne Bonny, auf über 600 Seiten um ihr Leben, ihre Liebe und ihren Traum von einem Neuanfang am anderen Ende der Welt.

    „Pearl“ zählt zu meiner selbst ausgewählten Pflichtlektüre. Aus den Frühjahrs- und Herbstprogrammen der Verlage lese ich je eine Neuerscheinung aus den Bereichen leichte Unterhaltung, YA/NA/Romantasy, Krimi. Als Quereinsteigerin im Buchhandel erarbeite ich mir auf diese Weise nach und nach Beratungskompetenz in Genres, die bisher eher nicht auf meiner Leseliste vertreten waren. Das macht mal mehr, mal weniger Freude, und auf ein Buch, das ich bis zum Ende lese, kommen meist einige, die ich nach wenigen Seiten oder Kapiteln abbreche. Aber auch das (begründete) Aussortieren hilft mir, einen Marktüberblick aufzubauen.

    Mit dem Piratinnenroman von Elisabeth Herrmann habe ich auf Anhieb einen guten Griff getan. Das Cover finde ich zwar immer noch eher abstoßend, aber dafür fällt das Setting (Segelschiffe! Seefahrt! Seeleute!) genau in mein Beuteschema. Die Geschichte von Anne Bonny und Mary Read war mir in groben Zügen bekannt. Ich wusste, dass die beiden tatsächlich existiert haben und als berüchtigte Piratinnen in die Geschichtsbücher eingegangen sind. Ich war neugierig, wie sich auf diesem Hintergrund eine romantische Handlung entfaltet, und so machte „Pearl“ das Rennen vor den vielen anderen neuen Unterhaltungsromanen dieses Frühjahrs.

    Auch wenn sich früh abzeichnete, mit wem Pearl auf der letzten Seite an welchem Ort zu finden sein würde, las sich der Weg dorthin unterhaltsam, spannend und lange nicht so kitschig wie das Cover befürchten ließ. Ich hatte wenig erwartet, was mich packen könnte – eine Liebesgeschichte mit Hindernissen vor einer letztlich austauschbaren Kulisse. Ich bekam einen historischen Roman, in den zwar eine Liebesgeschichte mit Hindernissen eingebettet war, der aber mehr zu bieten hatte. Elisabeth Herrmann entwickelt Pearls Geschichte aus dem Kontext eines Zeitalters extremer Ungleichheit – geprägt von der Grausamkeit des Kolonialismus und des Sklavenhandels, von prekären Lebensverhältnissen für unzählige Besitz- und Rechtlose, in der Karibik wie in Europa. Die Piraterie schafft hier eine Gegenwelt, freie und gleichberechtigte Menschen, die die vorgegebenen Regeln nicht gelten lassen. Letztendlich erweist sich aber auch ihre Welt als grausam und unmenschlich. Elisabeth Herrmann romantisiert das Piratenleben nicht. Stattdessen macht sie die Härten des Lebens im 18. Jahrhunderts nahvollziehbar, nah an den historischen Fakten. Das hat mir gut gefallen.

    Nach der Lobhudelei die Kritik: In einigen Passagen kommt mir die Handlung etwas zu glatt voran oder ich empfinde sie nicht 100% stimmig, manche Nebenfiguren erscheinen mir unscharf oder etwas arg stereotyp. Dies möchte ich dem Buch aber nicht zum Nachteil auslegen. Dass es mich stört, liegt an meinen persönlichen Lesevorlieben – ich werde gern irritiert, ich mag es, wenn mit meinen Vorurteilen gespielt, mein Denken in Frage gestellt wird. Das darf dann auch ruhig etwas anstrengend sein. Ein guter Unterhaltungsroman hat andere Aufgaben. Er soll Auszeiten in den Alltag bringen, einen Raum schaffen, um abzuschalten und Erholung zu finden. Dafür ist „Pearl. Königin der Meere“ bestens aufgestellt, denn es fällt leichter, sich in eine Welt hineinzufinden, wenn die Charaktere und die Handlung eher konventionellen Erwartungen folgen, statt sie zu verletzen.

    Ich bin mit geringen Erwartungen an das Buch herangetreten und wurde positiv überrascht. Ich rechnete mit Kitsch, gewürzt mit einer Prise Abenteuer. Ich bekam Abenteuer mit einer Prise Kitsch und dazu noch einen solide recherchierten und unsentimentalen Einblick in die Piraterie und ihren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext. Was mir auch gut gefallen hat, selbst wenn ich es nur ein subjektiver Eindruck ist, den ich an nichts konkretem festmachen kann: Auf mich wirkt das Buch so, als hätte die Autorin leidenschaftliche Freude am Schreiben und an den Recherchen gehabt, und sähe es als Privileg an, Menschen mit dieser Geschichte zu unterhalten und ihnen Freude zu bereiten. Auf Augenhöhe mit den Leserinnen. Bestsellerautorin, zu Recht.

    Meine Freude: Ich kann einen Haken auf meiner Pflichtleseliste setzen, und habe das Buch in diesem Rahmen sehr gern gelesen. Jetzt freue ich mich darauf, den Roman mit den passenden Leserinnen zusammenzubringen.

    Reinlesen könnt ihr hier auf der Seite des Verlags. Wenn kaufen, dann bitte euer unabhängigen Buchhandlung vor Ort oder online – schaut gerne bei buchnah.de.

    Fairerweise kennzeichne ich diesen Beitrag als WERBUNG, denn ich habe das Buch als Leseexemplar zu Verfügung gestellt bekommen. Meine Empfehlungen sind unabhängig davon, ob ich ein Buch gekauft, in einem Bücherschrank gefunden, geschenkt bekommen oder als Leseexemplar erhalten habe.

  • Lesen: Durch das Raue zu den Sternen + Bonustipp

    Lesen: Durch das Raue zu den Sternen + Bonustipp

    Zwei Romane von Christopher Kloeble = zwei Meilensteine für mich

    „Das Museum der Welt“ zählt zu den Büchern, mit denen ich in meine neue Rolle als Buchhändlerin hineinwuchs. Es war einer der ersten Titel, die ich voller Überzeugung mit den passenden Menschen zusammenbringen konnte und dazu sehr gute Rückmeldungen bekam. Das war 2020. Einige Jahre später durfte ich einen Vorabdruck von „Durch das Raue zu den Sternen“ lesen und einen Buchhändlerinnen-Blurb für die Verlagsvorschau verfassen – eine Premiere für mich und genau so aufregend wie die ersten Buchverkäufe.

    Diese zwei Romane von Christopher Kloeble lege ich allen ans Herz, die Freude an schöner und präziser Sprache haben und Geschichten mit überraschend changierenden Bedeutungsebenen schätzen. In beiden Fällen ist die zentrale Figur ein Kind, das Verluste erlebt hat, mit besonderen Begabungen ausgestattet ist und sich auf eine Mission begibt, die kein Erwachsener so entschlossen und radikal verfolgen könnte. Die Charaktere berühren mit ihrer Verletzlichkeit, ihrer Intensität und ihrem ganz eigenen Blick auf die Welt.

    Ich mache es mir bequem und teile hier die Empfehlungen, die ich für die Buchhandlungswebsite bzw. die Verlagsvorschau geschrieben habe. Wollt ihr mehr wissen? Ich freue mich über jeden Kommentar und jede Rückfrage.

    Der aktuelle Titel „Durch das Raue zu den Sternen“ nimmt uns mit in die bayerische Provinz der 1990er Jahre. Dort beginnt die Geschichte von Moll, einem Mädchen, dem die Mutter abhanden gekommen ist.

    Wenn Beethoven eine Frau war, kann ein Mädchen im Knabenchor singen. Arkadia Fink, genannt “Moll”, ist von beidem fest überzeugt. Musik verbindet die 13-jährige Moll mit ihrer Mutter, auf eine Weise, die Worte nicht ausdrücken können. Nun ist Molls Mutter verschwunden. Zurückgelassen hat sie ihren geliebten Flügel, ihre unvollendeten Kompositionen und einen Vater, der Moll keinen Halt geben kann. Im Vertrauen auf die Kraft der Musik setzt Moll alles daran, ihre Mutter zurück in ihr Leben zu holen. Voller Fantasie und wild entschlossen überwindet sie Konventionen und Bedenken. Nichts kann sie aufhalten. 

    Beim Lesen des Vorabdrucks habe ich mich zuerst schwer getan – den Anfang fand ich etwas verwirrend, überfrachtet. Im zweiten Anlauf hat mich das Buch dann mitgerissen. Tolle Figuren! Arkadia Fink geht ans Herz, mit ihrer Kompromisslosigkeit und Hingabe. Alle, die den Roman bevölkern, sind so fein und stimmig und hauchzart überspitzt gezeichnet, dass alles Ernste und Schwere immer auch ein wenig leicht ist. So viel Gefühl und Musik in einem Buch. Es schreit nach einer Playlist! 

    Christopher Kloeble hat einen berührenden Roman komponiert, der nachklingt und Lust darauf macht, genau hinzuhören. So wie die großen Tondichtungen von Beethoven, Mozart und anderen, die Moll auf ihrem Weg “durch das Raue zu den Sternen” begleiten. 

    Eine zweite Meinung zu diesem Buch findet ihr hier im Forum Wermelskirchen, einem offenen Nachrichtenportal für unsere Stadt. Weil die Lesevorlieben in unserem kleinen Team recht unterschiedlich sind und es nur selten vorkommt, dass ein Titel mich und meine Kollegin Andrea gleichmaßen begeistert, haben wir unsere Doppelempfehlung dort eingereicht.

    „Das Museum der Welt“ spielt in Indien, ein historischer Roman, der eine deutsche Forschungsexpedition der 1850er-Jahre als Ausgangspunkt nimmt, um eine raffinierte Geschichte zu spinnen. Dieses Buch habe ich sehr gerne gelesen und es hat immer noch einen Platz in meinem Bücherschrank, anders als viele Leseexemplare, die nach kurzer Zeit weiterziehen dürfen. Hier meine Empfehlung aus dem Jahr 2020 – ich hoffe, sie ist gut gealtert und macht euch Lust auf dieses Buch:

    „Das Museum der Welt“ von Christoph Kloeble ist zugleich fesselnde Abenteuergeschichte, historischer Roman, Reise- und Entdeckungsbericht, Spionagethriller und Entwicklungsroman.

    Ein Buch, bunt und schillernd wie der indische Subkontinent, den die Brüder Schlagintweit Mitte des 19. Jahrhunderts im Geiste Humboldts vermessen und katalogisieren wollen. Um diese wenig bekannte, aber historisch belegte Forschungsexpedition rankt sich der Roman, der auch den anonymen einheimischen Mitreisenden ein Gesicht und eine Stimme gibt. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Bartholomäus, einem außergewöhnlich begabten Waisenkind. Unfreiwillig begleitet das Sprachentalent die Schlagintweits als Übersetzer auf der langen und gefährlichen Reise durch Indien und den Himalaya. Sein offener und scharfer Blick zeigt die deutschen Forscher, die englischen Kolonialherren und sein eigenes Land aus einer ungewohnten Perspektive.

    Mich begeistert der Roman, weil er ein großartiges Lesevergnügen mit Witz, Tempo und Hintersinn bietet und dabei die Wurzeln und Folgen der westeuropäischen Kolonialpolitik hinterfragt.

    Kleiner Disclaimer: Es ist wahrscheinlich fair, diesen Beitrag als *WERBUNG* zu kennzeichnen, denn, wie das Foto zeigt, habe ich beide Romane als Leseexemplare vom Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Dies hat keinen Einfluss auf meine Bewertung. Ich mache hier genauso gern *WERBUNG* für Bücher, die ich selbst gekauft habe und bekomme andererseits reichlich Leseexemplare, die ich hier mit Sicherheit nicht vorstellen werde.

  • Das Meer, die Liebe, der Mut aufzubrechen

    Das Meer, die Liebe, der Mut aufzubrechen

    I’m back. Mit einem Backlist-Tipp.

    Das Meer – mein Thema. Die Liebe – eher nicht. Der Mut aufzubrechen – unerlässlich, an jedem einzelnen Tag. Den Neuanfang hier mache ich mir leicht, mit einer Empfehlung, die ich 2020 für die Buchhandlungs-Homepage verfasst habe. Zum Glück ist „Das Meer. Die Liebe. Der Mut aufzubrechen“ von Andrea Marcolongo noch lieferbar (Stand 03/2026), das ist leider nicht selbstverständlich für einen Titel, der vor über 5 Jahren erschienen ist.

    Ich lade euch ein auf eine Fahrt ins Ungewisse. Reiseleiterin Andrea Marcolongo nimmt euch mit auf eine Expedition in die Antike, zu den Wurzeln unserer Kultur und zu unseren ureigenen Wünschen und Ängsten.

    Die junge Altphilologin Andrea Marcolongo erzählt die Argonautensage neu. Ihre Liebe zur altgriechischen Sprache und Kultur und ihre Überzeugung, dass die antiken Mythen uns auch heute etwas zu sagen haben, prägen dieses Buch. Entlang der großen, alten Geschichte von Jason und seinen Begleitern, vom Heldenmut und dem Aufbruch ins Ungewisse, wirft sie einen Blick auf unsere Zeit. Mit der Distanz von Jahrtausenden, freundlich und zugleich unerbittlich, mit feinem Humor und großer Menschenliebe stellt sie in Frage, mit welchen Zielen wir uns zufrieden geben und was heute als Mut gilt.

    Es entsteht eine faszinierende Wundertüte von einem Buch: Ein antiker Mythos, kenntnisreich dargestellt, ein philosophischer Essay über unseren Stand im Leben, ein Wegweiser, der uns ermuntert, unsere Ziele zu hinterfragen und neue Wagnisse einzugehen.

    Dieses Buch stand ganz und gar nicht auf meiner Wunschliste, aber es hat sich mir so hartnäckig aufgedrängt, dass ich irgendwann nachgegeben habe. Zum Glück! Es liest sich nicht eben nebenbei, braucht Zeit und wirft nicht nur gefällige Fragen auf, aber mich hat die Lektüre bereichert und berührt. Gedanken aus diesem Buch blitzen immer wieder in meinem Alltag auf und zeigen scheinbar Selbstverständliches in einem anderen Licht. Was kann ein Buch mehr bewirken?

    Ich freue mich darauf, dieses wunderbare Buch aus dem Folio-Verlag mit etwas Abstand noch einmal zu lesen. Es wird mich sanft durch das Frühjahr begleiten, zum Aufbruch locken, bis ich endlich wieder auf dem Meer bin.

    Mehr Infos zum Buch und zur Autorin sowie eine Leseprobe findet ihr auf der Seite des Verlags. Kauft Bücher bitte immer in euer Buchhandlung vor Ort (das geht auch online). Dankeschön!

  • Bertolt, brech! – Time to say goodbye…

    Bertolt, brech! – Time to say goodbye…

    Zu viele Bücher. Zu wenig Platz. Da hilft nur: Aussortieren.

    Meine Bücher wohnen nicht in Regalen, sondern in einem Schrank. Genauer gesagt: in sechs schönen Schrankmodulen, die mir vor Jahrzehnten zugelaufen sind. Wer einmal hier gelandet ist, bleibt. Vielleicht nicht für immer, aber für längere Zeit.

    Zu den Arrivierten kommen die Vagabunden. Sie campieren auf dem Schreibtisch oder neben dem Sofa, stapeln sich auf Schränken und Beistelltischen. Die meisten sind in Bewegung, wollen gelesen, rezensiert, verschenkt werden. Andere warten still auf ihren Einsatz in einem der Projekte, die in meinem Kopf herumspuken. Ich passe auf, dass die Bücherstapel sich nicht unkontrolliert vermehren, aber es ist schwierig und gelingt nicht immer. Wenn ihr Anblick statt Leselust den Drang weckt, wegzulaufen oder aufzuräumen, muss etwas passieren.

    Vorgestern traf mich ein Gedankenblitz, eine vage Idee, wie ich die Bücher anders organisieren könnte. Gestern probierte ich es aus. Eine Auswahl besonderer Bücher, die mir zuverlässig gute Laune und Inspiration schenken, sollten ihren eigenen Platz bekommen. So bezogen einige Comics, Gedichtbände, Bilderbücher ein gemeinsames Fach im Bücherschrank.

    Das war ein guter Anfang für eine Totalveränderung. Ich räumte meinen Leseplatz um, verrückte Schränke, Sessel, Lampen. Jetzt sieht es luftiger aus und bietet neue Perspektiven. Neben meinem „Inspirationsfach“ sammeln sich die aktuellen Lese- und Rezensionsexemplare. Drei Fächer (und nicht mehr) sind reserviert für „Projektbücher“ und ich bin zuversichtlich, dass mir dies hilft, mich zu fokussieren und Ideen umzusetzen oder aufzugeben, um Raum für bessere zu schaffen.

    Das Zimmer ist voll mit Bücherstapeln, weil ich die Schänke nur bewegen kann, wenn sie leer sind. Viele Nomaden haben einen Platz gefunden. Die meisten alteingesessenen Bewohner der Bücherschränke sind im noch im Campingurlaub. Nicht alle werden zurückkehren.

    Zu lange fehlte in den Bücherschränken der Wandel. Seit meinem letzten Umzug sind viele Bücher dazu gekommen und nur wenige gegangen. Jetzt entscheide ich für jeden Titel neu: behalten, verschenken, entsorgen?

    Leichten Mutes und ohne Reue nehme ich Abschied von den meisten Schullektüren und ungeliebten Titeln aus dem Studium. Bye bye, Brecht und Böll. Ich werde euch nicht vermissen. Adios, zerfetzter, bekritzelter Shakespeare. Du hast eine schönere Ausgabe verdient – und ich eine zweisprachige.

  • Überraschung: Lesevergnügen in Pink

    Überraschung: Lesevergnügen in Pink

    Ein guter Griff: Bea Fitzgerald – Girl. Goddess. Queen.

    Seit ich in der Buchhandlung arbeite, lese ich pro Halbjahr mindestens einen aktuellen Krimi, einen leichten/seichten Unterhaltungsroman, einen historischen Roman oder einen Fantasy-Titel, ein Jugendbuch, ein Kinderbuch. Nicht alles davon lese ich gern. Schlimm sind Krimis, die lustig sein wollen, aber nicht sind. Schlimmer sind verwickelte Liebesdramen auf Nord- oder Ostseeinseln. Am schlimmsten ist Romantasy, mit gebrochenen Helden, die nur duch die Liebe (Unterwerfung?) einer Frau gerettet werden können.

    Auf der Suche nach einem Buch fürs Wochenende sprang mir der leuchtend pinkfarbene Band Girl. Goddess. Queen. von Bea Fitzgerald ins Auge. Eine Chance, gleich drei Punkte meines Pflichtprogramms mit nur einem Buch abzuhaken: Romance (PINK!), Fantasy (GÖTTER!), Jugendbuch (YOUNG ADULT!). Meine Erwartung: schlimmste Romantasy. Was ich bekam: das vergnüglichste Lesewochenende seit langem! Ich habe Girl. Goddess. Queen. verschlungen.

    Bea Fitzgerald greift den Mythos um Persephone auf. In der klassischen Erzählweise entführt Hades die Göttin in die Unterwelt und nimmt sie gegen ihren Willen zur Frau. In diesem Roman ist alles ganz anders. Persephone sucht Schutz bei Hades, denn die Pläne ihres Vaters Zeus und ihrer Mutter Demeter machen ihr Angst. Soll sie mit einem der anderen Olympier verheiratet werden?

    Die Geschichte entwickelt sich rasant, mit vielen überraschenden Wendungen. Persephone, Hades und die anderen Charaktere aus der Unterwelt sind liebevoll gezeichnet, als würde die Autorin den Vorbildern aus der griechischen Sagenwelt erlauben, die beste, glücklichste Version ihrer Selbst zu werden. Hier wird die Hölle zu einem Ort, wo sie aneinander wachsen und lernen, zu ihren Wünschen und Bedürfnissen zu stehen. Es geht um Freundschaft, Vertrauen und ein wenig auch um Liebe. Spicy wird es nicht.

    Die Altersempfehlung des Verlags liegt bei 14 Jahren. Ich würde es ohne Bedenken auch Zwölfjährigen verkaufen, wenn sie gern und viel lesen und eine spannende Geschichte mit einem Hauch Romantik suchen.

    Bea Fitzgerald hat einen weiteren Roman veröffentlicht, der in der griechischen Sagenwelt verortet ist. Princess. Prophet. Saviour. spielt während der Belagerung Trojas. In diesem Krieg, der nur Verlierer kennt, kämpfen Helena und Kassandra darum, die Katastrophe zu verhindern. Dieses Buch ist düsterer, ernster und intensiver als das erste. Hier finde ich die Altersempfehlung ab 14 Jahren etwas gewagt. Der Kampf um Troja ist gewaltsam, die Figuren leben in ständiger Bedrohung, ihre inneren Konflikte berühren Fragen, die sich eher Erwachsene stellen und die Szenen, in denen Figuren sich näher kommen, sind ein wenig spicy.

    Mir gefällt Bea Fitzgeralds zweiter Roman sehr, weil er wieder die Welt der griechischen Götter und Helden auf den Kopf stellt. So unterschiedlich die Bücher im Tonfall und in der Tiefe sind – in beiden stellen sich die Charaktere mutig, klug und kreativ der göttlichen Willkür entgegen. Sie verlassen die Wege, die ihnen in den alten Geschichten vorbestimmt sind und kämpfen um Selbstbestimmung, Liebe und Respekt.

    Ich freue mich auf das dritte Buch der Reihe. Girl. Lover. Legend. handelt von Pandora, die das Unglück in die Welt gebracht haben soll, Die deutsche Übersetzung erscheint Ende Oktober.

  • Das Parlament der Natur – mein Buchtipp in schönerlesen No. 24

    Das Parlament der Natur – mein Buchtipp in schönerlesen No. 24

    Yay! Meine Begeisterung auf 1000 Zeichen zu beschränken, war eine sportliche Herausforderung. Meine Empfehlung findet ihr auf Seite 40 im Kundenmagazin der eBuch-Genossenschaft oder gleich hier:

    Mit seinem farbenprächtigen Umschlagmotiv zieht „Das Parlament der Natur“ die Blicke auf sich: Ein Jaguar auf dem Sprung, zwei Aras auf der Flucht. So lebensecht die Szene wirkt – die Tiere sind tot. Ein Museumspräparat, auf ewig gefangen in einer Momentaufnahme des Kampfes ums Dasein, eines von gut dreißig Millionen Objekten im Bestand des Berliner Museums für Naturkunde.

    Naturforscherin Sarah Darwin, Nachfahrin des Begründers der Evolutionstheorie, und ihr Ehemann Johannes Vogel, Direktor des Museums, lassen uns die riesige Sammlung mit ihren Augen sehen. Hier lagern keine verstaubten Zeugnisse der Vergangenheit, sondern ein Schlüssel zu unserer Zukunft. Die Exponate zeigen das komplexe Gefüge der Natur über sehr lange Zeiträume, die Vielfalt des Lebens ebenso wie den zerstörerischen Einfluss des Menschen.

    Das Buch ist wundervoll bebildert und lässt uns tief in die Gedankenwelt der beiden Wissenschaftler einsteigen – ein Geschenk für alle, die sich von der Natur faszinieren lassen.

    Mehr Infos und eine Leseprobe findet ihr auf der Seite des Verlags. Danke an Propyläen-/Ullstein für das digitale Leseexemplar auf Netgalley.

    Wenn euch lebendige Innenstädte und kulturelle Vielfalt am Herzen liegen: Kauft Bücher nicht an fernen Flüssen, sondern bei eurer Buchhandlung vor Ort. Das geht auch online, zum Beispiel über genialokal, dem gemeinsamen Shop von über 750 unabhängigen Buchhandlungen im deutschen Sprachraum. Oder einfach googeln nach Geschäften in eurer Umgebung. Amen.

  • tausendundeinewoche – Neues im Juli

    Der geheime Plan: Jede, wirklich jede einzelne Woche in meinem Leben etwas ausprobieren oder erleben, was neu für mich ist. Klappt nicht immer so, wie ich es mir vornehme. Wie lief es im Juli?

    KW 29: Very Interesting? Blogger? Ich?

    Ich habe alle Bedenken über den Haufen geworfen, das VIB-Paket von Judith Peters gebucht (erster Nur-Online-Kurs meines Lebens) und wild entschlossen losgeschrieben. Ein Versuch, der mich im Moment weit aus meiner Komfortzone hinausführt.

    KW 30: Wunschkonzert

    Lange ganz oben auf meiner Konzert-Wunschliste. Endlich passten Zeit und Ort und ich konnte sogar eine Karte bekommen. So ganz kann ich es immer noch nicht fassen. 25. Juli 2025, Patti Smith, open air, in Köln, direkt vor dem Dom. Das Konzert hallt nach und ich bin dankbar.

    KW 31: Nix – oder findet sich noch etwas?

    Große Experimente habe ich nicht zu vermelden, nicht einmal ein spannendes neues Gericht probiert. Dann also suchen, wo sich vielleicht doch ein Wagnis in dieser Woche versteckt hat. Ok, eines fällt mir ein: Meinen geheimen Plan hier offen zu zeigen, das ist neu für mich. Bisschen unheimlich, hehe 😉

    Wie geht’s weiter im August?

    Ich habe Pläne, aber die verrate ich nicht. Freibadzeit hat Vorrang.

  • Jetzt lesen! Oliver Hilmes: Ein Ende und ein Anfang

    Jetzt lesen! Oliver Hilmes: Ein Ende und ein Anfang

    Eine Zeitreise in den Nachkriegssommer 1945

    Am 8. Mai vor 80 Jahren endete der 2. Weltkrieg – zumindest in Europa. Oliver Hilmes richtet in seinem aktuellen Sachbuch den Blick darauf, wie sich die Welt in den folgenden Monaten neu ordnete, im Großen wie im Kleinen.

    Es lohnt sich, dieses Buch genau jetzt zu lesen, denn es umspannt den Zeitraum von Mai bis September 1945. Ich habe es kurz vor dem 8. Mai erstmals gelesen. Seitdem nehme ich es immer wieder zur Hand und schaue, was sich in der Woche oder im Monat vor genau 80 Jahren ereignet hat.

    Oliver Hilmes lässt die Geschichte lebendig werden. Er zeigt die weltpolitischen Optionen und Weichenstellungen der Umbruchphase im Sommer 1945 so auf, dass sie auch ohne viel Vorwissen nachvollziehbar sind. Parallel dazu nimmt er die Nöte und Hoffnungen der Menschen in den Blick, die mit den Folgen von NS-Herrschaft und Krieg zu kämpfen haben oder für die der Krieg noch nicht beendet ist. Zeitzeugnisse, Tagebucheinträge, Fotos zeigen Momentaufnahmen. Manche Personen begleiten wir über eine längere Zeit, dazu gehören Kriegsgefangene, Geflüchtete, die Teilnehmenden der Potsdamer Konferenz oder eine Frau, die im ausgebombten Berlin auf Nachricht von ihren Angehörigen hofft.

    Aus ihren unterschiedlichen Perspektiven und Schicksalen webt Oliver Hilmes ein facettenreiches Bild der Zeit. Nicht nur mich hat das Buch gefesselt, auch in meinem Umfeld hat es die Runde gemacht und konnte Menschen begeistern, die sonst eher wenig lesen oder zumindest nicht zu einem Sachbuch greifen würden.

    Große Leseempfehlung für alle, die mehr über die Nachkriegszeit erfahren, aber kein trockenes Geschichtsbuch lesen möchten. Umgekehrt die Warnung für Geschichts-Zahlen-und-Fakten Nerds: Dieses Buch könnte für euren Geschmack zu viel persönliche Geschichten enthalten. Für Buchhändler:innen in diesem Sommer auf jeden Fall ein Must-Have im aktuellen Sortiment.

  • Das Beste an meiner Arbeit in einer Buchhandlung: Mein Job wird niemals langweilig!

    Abwechslung garantiert!

    Jenseits der Fünfzig haben mich meine verschlungenen beruflichen Pfade in eine kleine, unabhängige Buchhandlung im Bergischen Land geführt. Gut so! Was ich an meiner Arbeit am meisten liebe: Jeder Tag bringt etwas Neues, besonders für mich als Quereinsteigerin.

    1. Bücher, Bücher und noch mehr Bücher

    Seit meiner Verwandlung von einer Buchhandlungskundin zur Mitarbeiterin lese ich anders, mehr und vielfältiger. Für Lesestoff ist stets gesorgt, denn viele Verlage versenden Leseexemplare oder stellen ihre Neuerscheinungen bei Netgalley digital zur Verfügung.

    Als Lesen „nur“ ein Hobby war, bewegte ich mich in meiner Komfortzone und setzte auf Bewährtes. Jetzt versuche ich mich an neuen Genres und unbekannten Autor:innen. Dabei entdecke ich immer wieder Titel, die mich begeistern (und die ich hier vorstelle). Mit jedem Buch, ob es mir gefällt oder nicht, erweitert sich mein Überblick über den Buchmarkt und ich entwickle die Buchhändler:innen-Superkraft „Bücher anfangen und schnell entscheiden, sie wieder wegzulegen“.

    2. Gern gesehene Kund:innen

    Unsere Kund:innen sind überwiegend zauberhafte Menschen. Wir sind allerdings auch ein zauberhaftes Team und ich bin sicher, dass dies eine gewisse Anziehung hervorruft. Sie bringen Leben in den Laden. Manchmal auch Schokolade, ihre Sorgen, die allerbesten Buchtipps, ihre Kinder oder Neuigkeiten aus der Nachbarschaft. Die meisten kommen wieder.

    Ihre Wünsche sorgen für Abwechslung. „Wo finde ich den neuen Fitzek?“. Leichtes Spiel. Spannend wird es, wenn mehr gefragt ist als ein simpler Griff ins Regal. „Meine Freundin ist krank und ich möchte ihr ein schönes Buch schenken“. Ohne Einfühlungsvermögen (wie krank?) und Intuition (was ist schön?) wird das nichts. Am meisten liebe ich es, wenn Anfragen detektivischen Spürsinn und Rechercheskills fordern: „Das Cover ist gelb und ich glaube, es ist eine Orange darauf“ oder „Das habe ich irgendwann in den 1980er Jahren gelesen, es spielte in Indien.“ Wenn alle Kolleginnen miträtseln, führen uns oft wenige Informationsbruchstücke zum richtigen Titel.

    3. Bilanz ziehen für den Buchhandlungspreis

    Viele Buchhandlungen treten eher leise, bescheiden und defensiv auf gegenüber der mächtigen Konkurrenz im Netz. Das finde ich nicht angemessen, denn sie fördern Kultur, Bildung und Lebensqualität in einer Weise, die kein Internethändler bieten kann und will. Mit Autor:innenlesungen und anderen Veranstaltungen bereichern sie das kulturelle Leben vor Ort. Gemeinsam mit anderen Einzelhandelsgeschäften sorgen sie für lebendige Innenstädte. In Kooperationen mit Kitas, Schulen und Vereinen fördern sie Sprach- und Lesekompetenz. Zusammen mit Verlagen, Autor:innen, Bibliotheken und anderen Buchhandlungen setzen sie sich für literarische Vielfalt ein.

    Die Bewerbung um den Deutschen Buchhandlungspreis ist jedes Jahr ein guter Anlass, diese Leistungen zu dokumentieren und damit sichtbar zu machen. Für mich eine der spannendsten Aufgaben im Buchhandlungsjahr. Wenn alles zusammengetragen und im Überblick zu sehen war, haben wir bisher jedesmal gestaunt, wie viele Projekte und Aktionen wir quasi nebenbei gestemmt haben, Ganz unabhängig davon, ob eine Buchhandlung ausgezeichnet wird oder nicht – ich finde, der Aufwand lohnt allein schon zur Evaluation und Kursbestimmung.

    Was ich nicht verschweigen will

    Natürlich ist meine Arbeit in der Buchhandlung nicht ständig schön und strahlend. Es gibt Routineaufgaben im Büro, die sich aber im Rahmen halten. Eine Buchhandlung lebt und will ständig aufgeräumt und mit Staubwedeln liebkost werden. Es gibt Branchen, in denen mehr verdient wird und die Arbeitszeiten im Einzelhandel sind nicht nach jedermenschs Geschmack.

    Für mich überwiegen aber ganz klar Spaß, Abwechslung und das gute Gefühl, meine Zeit mit Menschen und Büchern sinnvoll zu verbringen.

  • Anfangen. Einfach anfangen.

    Und dann dranbleiben. Wenn es passt.

    „Con algo hay que empezar“ lautete der erste Satz in meinem ersten Spanisch-Lehrbuch. Mit irgendetwas muss man anfangen. Heute fange ich an, im Internet über Sachen zu schreiben, die mich interessieren. Damit liebäugele ich seit Jahr(zehnt)en, fand aber nie richtig den Anfang. Oder habe schnell wieder aufgehört.

    Jetzt starte ich einen neuen Anlauf, und diesmal nicht allein. Spanisch habe ich mir schließlich auch nicht selbst beigebracht. Meine Reiseleiterin ins neue Abenteuer ist Judith Peters, gebucht habe ich ihr Angebot VIB (Very Interesting Blogger) – niedrigschwellig, auf 52 Wochen angelegt. Es klingt spannend und machbar, genau das richtige für zaudernde Verzettelungskünstlerinnen wie mich. Ich folge Judith schon länger und profitiere von ihren Tipps, z.B. beim Einrichten dieser Website. Sie ermuntert dazu, im digitalen Raum sichtbar zu werden, ohne Perfektionismusstress. Passend dazu ihr Claim: „Blog like nobody’s reading!“. Das gefällt mir.

    Ich freue mich darauf, zu experimentieren, mich auf Schreibimpulse einzulassen und zu schauen, wohin das führt. Vielleicht entwickelt sich eine Seite mit Buchempfehlungen, mit Quiz-Content oder mit Tipps für faule Gemüsegärtner:innen? Auf jeden Fall werde ich in einigen Monaten wissen, ob ein eigener Blog genau mein Ding ist oder nicht.