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  • Bereit zum Abtauchen? Pearl, Königin der Meere

    Bereit zum Abtauchen? Pearl, Königin der Meere

    Karibikflair, Abenteuer und Liebe

    Wer eine Auszeit vom Alltag sucht, kann in Elisabeth Herrmanns Roman „Pearl, Königin der Meere“ in eine exotische Welt voller Abenteuer abtauchen. Dort, in der Karibik, im 18. Jahrhundert, kämpft Pearl, die Tochter der legendären Piratin Anne Bonny, auf über 600 Seiten um ihr Leben, ihre Liebe und ihren Traum von einem Neuanfang am anderen Ende der Welt.

    „Pearl“ zählt zu meiner selbst ausgewählten Pflichtlektüre. Aus den Frühjahrs- und Herbstprogrammen der Verlage lese ich je eine Neuerscheinung aus den Bereichen leichte Unterhaltung, YA/NA/Romantasy, Krimi. Als Quereinsteigerin im Buchhandel erarbeite ich mir auf diese Weise nach und nach Beratungskompetenz in Genres, die bisher nicht auf meiner Leseliste vertreten waren. Das macht mal mehr, mal weniger Freude, und auf ein Buch, das ich bis zum Ende lese, kommen einige, die ich nach wenigen Seiten oder Kapiteln abbreche.

    Mit dem Piratinnenroman von Elisabeth Herrmann habe ich auf Anhieb einen guten Griff getan. Das Cover finde ich zwar eher abstoßend, aber dafür fällt das Setting (Segelschiffe! Seefahrt! Seeleute!) genau in mein Beuteschema. Die Geschichte von Anne Bonny und Mary Read war mir in groben Zügen bekannt. Ich wusste, dass die beiden tatsächlich existiert haben und als berüchtigte Piratinnen in die Geschichtsbücher eingegangen sind. Ich war neugierig, wie sich auf diesem Hintergrund eine romantische Handlung entfaltet, und so machte „Pearl“ das Rennen vor den vielen anderen neuen Unterhaltungsromanen dieses Frühjahrs.

    Auch wenn sich früh abzeichnete, mit wem Pearl auf der letzten Seite an welchem Ort zu finden sein würde, las sich der Weg dorthin unterhaltsam, spannend und lange nicht so kitschig wie das Cover befürchten ließ. Ich hatte wenig erwartet, was mich packen könnte – eine Liebesgeschichte mit Hindernissen vor einer letztlich austauschbaren Kulisse. Damit hatte ich das Buch unterschätzt, denn ich bekam einen clever konstruierten,solide rechercherten historischen Roman, in den eine Liebesgeschichte mit Hindernissen eingebettet war. Elisabeth Herrmann entwickelt Pearls Geschichte aus dem Kontext eines Zeitalters extremer Ungleichheit – geprägt von der Grausamkeit des Kolonialismus und des Sklavenhandels, von prekären Lebensverhältnissen für unzählige Besitz- und Rechtlose, in der Karibik wie in Europa. Die Piraterie schafft hier eine Gegenwelt, freie und gleichberechtigte Menschen, die die vorgegebenen Regeln nicht gelten lassen. Letztendlich erweist sich aber auch ihre Welt als grausam und unmenschlich. Elisabeth Herrmann romantisiert das Piratenleben nicht. Stattdessen macht sie die Härten des Lebens im 18. Jahrhunderts nahvollziehbar, nah an den historischen Fakten. Das hat mir gut gefallen.

    Nach der Lobhudelei die Kritik: In einigen Passagen kommt mir die Handlung etwas zu glatt voran oder ich empfinde sie nicht 100% stimmig, manche Nebenfiguren erscheinen mir unscharf oder etwas arg stereotyp. Dies möchte ich dem Buch aber nicht zum Nachteil auslegen. Dass es mich stört, liegt an meinen persönlichen Lesevorlieben – ich werde gern irritiert, ich mag es, wenn mit meinen Vorurteilen gespielt, mein Denken in Frage gestellt wird. Das darf dann auch ruhig etwas anstrengend sein. Ein guter Unterhaltungsroman hat andere Aufgaben. Er soll Auszeiten in den Alltag bringen, einen Raum schaffen, um abzuschalten und Erholung zu finden. Dafür ist „Pearl. Königin der Meere“ bestens aufgestellt, denn es fällt leichter, sich in eine Welt hineinzufinden, wenn die Charaktere und die Handlung eher konventionellen Erwartungen folgen, statt sie zu verletzen.

    Ich bin mit geringen Erwartungen an das Buch herangetreten und wurde positiv überrascht. Ich rechnete mit Kitsch, gewürzt mit einer Prise Abenteuer. Ich bekam Abenteuer, gewürzt von einer Romanze und dazu einen solide recherchierten und unsentimentalen Einblick in die Piraterie und ihren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext. Was mir auch gut gefallen hat, selbst wenn ich es nur ein subjektiver Eindruck ist, den ich an nichts konkretem festmachen kann: Auf mich wirkt das Buch so, als hätte die Autorin leidenschaftliche Freude am Schreiben und an den Recherchen gehabt, und sähe es als Privileg an, Menschen mit dieser Geschichte zu unterhalten und ihnen Freude zu bereiten. Auf freundlich-neugieriger Augenhöhe mit den Leserinnen. Bestsellerautorin, zu Recht.

    Meine Freude: Ich kann einen Haken auf meiner Pflichtleseliste setzen, und habe das Buch in diesem Rahmen sehr gern gelesen. Jetzt freue ich mich darauf, den Roman mit den passenden Leserinnen zusammenzubringen.

    Reinlesen könnt ihr hier auf der Seite des Verlags. Wenn kaufen, dann bitte euer unabhängigen Buchhandlung vor Ort oder online – schaut gerne bei buchnah.de.

    Fairerweise kennzeichne ich diesen Beitrag als WERBUNG, denn ich habe das Buch als Leseexemplar zu Verfügung gestellt bekommen. Meine Empfehlungen sind unabhängig davon, ob ich ein Buch gekauft, in einem Bücherschrank gefunden, geschenkt bekommen oder als Leseexemplar erhalten habe.

  • Lesen: Durch das Raue zu den Sternen + Bonustipp

    Lesen: Durch das Raue zu den Sternen + Bonustipp

    Zwei Romane von Christopher Kloeble = zwei Meilensteine für mich

    „Das Museum der Welt“ zählt zu den Büchern, mit denen ich in meine neue Rolle als Buchhändlerin hineinwuchs. Es war einer der ersten Titel, die ich voller Überzeugung mit den passenden Menschen zusammenbringen konnte und dazu sehr gute Rückmeldungen bekam. Das war 2020. Einige Jahre später durfte ich einen Vorabdruck von „Durch das Raue zu den Sternen“ lesen und einen Buchhändlerinnen-Blurb für die Verlagsvorschau verfassen – eine Premiere für mich und genau so aufregend wie die ersten Buchverkäufe.

    Diese zwei Romane von Christopher Kloeble lege ich allen ans Herz, die Freude an schöner und präziser Sprache haben und Geschichten mit überraschend changierenden Bedeutungsebenen schätzen. In beiden Fällen ist die zentrale Figur ein Kind, das Verluste erlebt hat, mit besonderen Begabungen ausgestattet ist und sich auf eine Mission begibt, die kein Erwachsener so entschlossen und radikal verfolgen könnte. Die Charaktere berühren mit ihrer Verletzlichkeit, ihrer Intensität und ihrem ganz eigenen Blick auf die Welt.

    Ich mache es mir bequem und teile hier die Empfehlungen, die ich für die Buchhandlungswebsite bzw. die Verlagsvorschau geschrieben habe. Wollt ihr mehr wissen? Ich freue mich über jeden Kommentar und jede Rückfrage.

    Der aktuelle Titel „Durch das Raue zu den Sternen“ nimmt uns mit in die bayerische Provinz der 1990er Jahre. Dort beginnt die Geschichte von Moll, einem Mädchen, dem die Mutter abhanden gekommen ist.

    Wenn Beethoven eine Frau war, kann ein Mädchen im Knabenchor singen. Arkadia Fink, genannt “Moll”, ist von beidem fest überzeugt. Musik verbindet die 13-jährige Moll mit ihrer Mutter, auf eine Weise, die Worte nicht ausdrücken können. Nun ist Molls Mutter verschwunden. Zurückgelassen hat sie ihren geliebten Flügel, ihre unvollendeten Kompositionen und einen Vater, der Moll keinen Halt geben kann. Im Vertrauen auf die Kraft der Musik setzt Moll alles daran, ihre Mutter zurück in ihr Leben zu holen. Voller Fantasie und wild entschlossen überwindet sie Konventionen und Bedenken. Nichts kann sie aufhalten. 

    Beim Lesen des Vorabdrucks habe ich mich zuerst schwer getan – den Anfang fand ich etwas verwirrend, überfrachtet. Im zweiten Anlauf hat mich das Buch dann mitgerissen. Tolle Figuren! Arkadia Fink geht ans Herz, mit ihrer Kompromisslosigkeit und Hingabe. Alle, die den Roman bevölkern, sind so fein und stimmig und hauchzart überspitzt gezeichnet, dass alles Ernste und Schwere immer auch ein wenig leicht ist. So viel Gefühl und Musik in einem Buch. Es schreit nach einer Playlist! 

    Christopher Kloeble hat einen berührenden Roman komponiert, der nachklingt und Lust darauf macht, genau hinzuhören. So wie die großen Tondichtungen von Beethoven, Mozart und anderen, die Moll auf ihrem Weg “durch das Raue zu den Sternen” begleiten. 

    Eine zweite Meinung zu diesem Buch findet ihr hier im Forum Wermelskirchen, einem offenen Nachrichtenportal für unsere Stadt. Weil die Lesevorlieben in unserem kleinen Team recht unterschiedlich sind und es nur selten vorkommt, dass ein Titel mich und meine Kollegin Andrea gleichmaßen begeistert, haben wir unsere Doppelempfehlung dort eingereicht.

    „Das Museum der Welt“ spielt in Indien, ein historischer Roman, der eine deutsche Forschungsexpedition der 1850er-Jahre als Ausgangspunkt nimmt, um eine raffinierte Geschichte zu spinnen. Dieses Buch habe ich sehr gerne gelesen und es hat immer noch einen Platz in meinem Bücherschrank, anders als viele Leseexemplare, die nach kurzer Zeit weiterziehen dürfen. Hier meine Empfehlung aus dem Jahr 2020 – ich hoffe, sie ist gut gealtert und macht euch Lust auf dieses Buch:

    „Das Museum der Welt“ von Christoph Kloeble ist zugleich fesselnde Abenteuergeschichte, historischer Roman, Reise- und Entdeckungsbericht, Spionagethriller und Entwicklungsroman.

    Ein Buch, bunt und schillernd wie der indische Subkontinent, den die Brüder Schlagintweit Mitte des 19. Jahrhunderts im Geiste Humboldts vermessen und katalogisieren wollen. Um diese wenig bekannte, aber historisch belegte Forschungsexpedition rankt sich der Roman, der auch den anonymen einheimischen Mitreisenden ein Gesicht und eine Stimme gibt. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Bartholomäus, einem außergewöhnlich begabten Waisenkind. Unfreiwillig begleitet das Sprachentalent die Schlagintweits als Übersetzer auf der langen und gefährlichen Reise durch Indien und den Himalaya. Sein offener und scharfer Blick zeigt die deutschen Forscher, die englischen Kolonialherren und sein eigenes Land aus einer ungewohnten Perspektive.

    Mich begeistert der Roman, weil er ein großartiges Lesevergnügen mit Witz, Tempo und Hintersinn bietet und dabei die Wurzeln und Folgen der westeuropäischen Kolonialpolitik hinterfragt.

    Kleiner Disclaimer: Es ist wahrscheinlich fair, diesen Beitrag als *WERBUNG* zu kennzeichnen, denn, wie das Foto zeigt, habe ich beide Romane als Leseexemplare vom Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Dies hat keinen Einfluss auf meine Bewertung. Ich mache hier genauso gern *WERBUNG* für Bücher, die ich selbst gekauft habe und bekomme andererseits reichlich Leseexemplare, die ich hier mit Sicherheit nicht vorstellen werde.